Barbara Schwaninger betreut und begleitet die Freiwilligen des SRK Kanton Schaffhausen seit über 15 Jahren – Zeit für eine Bilanz.
Nahezu alle 239 Freiwilligen, die beim Schaffhauser Roten Kreuz anderen Menschen Zeit schenken, kennt Barbara Schwaninger persönlich. Ihre Stelle beim SRK Kanton Schaffhausen hatte sie vor gut 15 Jahren angetreten: «Schon damals waren mindestens zwei Drittel aller Freiwilligen im Fahrdienst tätig», erinnert sie sich. Barbara Schwaninger begleitet die Freiwilligen bei ihrem Eintritt in die Rotkreuzorganisation und beim Vertrautwerden mit den Grundsätzen des Schaffhauser Roten Kreuzes.
«Wertschätzung und Respekt sind zentral»
«Ohne unsere Freiwilligen, die sich mit viel Herzblut und grösster Motivation engagieren, wäre das heutige Angebot des Schaffhauser Roten Kreuzes undenkbar», sagt Barbara Schwaninger. Im Gegensatz zu bezahltem Personal sei es wenig sinnvoll, Freiwillige per Stelleninserat zu rekrutieren: «Mund-zu-Mund-Propaganda ist zentral. Die meisten melden sich bei uns, weil sie mit jemandem gesprochen oder von jemandem gehört haben, der sich bereits freiwillig bei uns engagiert», weiss sie aus Erfahrung. «Ihr Lohn ist nicht Geld, sondern Wertschätzung, Respekt und Dankbarkeit, aber auch eine gewisse Grosszügigkeit unsererseits, was die Flexibilität ihrer Einsätze betrifft.»
Wer die Dienste des Schaffhauser Roten Kreuzes in Anspruch nehme, könne von bezahlten wie auch von freiwilligen Mitarbeitenden Professionalität erwarten – mit dem Unterschied, dass Freiwillige motiviert werden durch die Wertschätzung, die man ihnen und ihrer Tätigkeit entgegenbringt. Das bedeute aber auch: «Wenn die konkreten Umstände ihrer Einsätze zu stark von ihren Erwartungen abweichen, sind sie eher bereit, aufzuhören als ihre angestellten RotkreuzKolleginnen und -Kollegen.» Was übrigens äusserst selten vorkomme, wie Barbara Schwaninger betont. Umso wichtiger sei es darum für sie, den Freiwilligen «kontinuierlich den Puls zu fühlen». Darum nehme sie auch regelmässig an Gruppentreffen der Freiwilligen teil: «Es ist wichtig, dass wir bei Veränderungen innerhalb der Organisation unsere Freiwilligen mitnehmen; zum Beispiel, wenn wir neue Technologien einführen, die sich auf bestehende Arbeitsweisen auswirken oder gar einen Kulturwandel erfordern.»
Eine neue Generation von Freiwilligen
Der demografische Wandel in unserer Gesellschaft mache sich auch bei den Freiwilligen bemerkbar, sagt Barbara Schwaninger. So sei es im Gegensatz zu noch vor zehn, fünfzehn Jahren anspruchsvoller geworden, Freiwillige für ein Engagement zu gewinnen: «Auf der einen Seite möchte eine wachsende Zahl Freiwilliger ihre Einsätze mit grösserer Flexibilität leisten können. Auf der anderen Seite brauchen sie heute auch ein dickeres Fell als früher.» So würden zum Beispiel Unbeteiligte bisweilen weniger Verständnis haben für gekennzeichnete Fahrzeuge des Fahrdienstes, die in der Fussgängerzone unterwegs sind. Hinzu komme, dass manche Rotkreuz-Kundinnen und -Kunden, aber auch Institutionen wie Spitäler heute höhere Ansprüche stellten an Flexibilität und Kurzfristigkeit der Einsätze von Freiwilligen. Wie wichtig für Rotkreuz-Freiwillige die Bereitschaft und die Fähigkeit sind, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, illustriert Barbara Schwaninger anhand zweier Episoden aus der Freiwilligenarbeit.
In sauberen Kleidern zum Arzt
Über längere Zeit habe die immer gleiche freiwillige Rotkreuzfahrerin einen älteren Herrn regelmässig zum Arzt gefahren. Als sie bemerkte, dass die Kleidung ihres Fahrdienst-Kunden nicht immer sauber war, sorgte sie mit ihm zusammen dafür, dass er vor dem Arztbesuch jeweils etwas Sauberes anziehen konnte. «Mit ihrem zusätzlichen Engagement, das weit über ihre Aufgabe als freiwillige Rotkreuzfahrerin hinausging, trug sie dazu bei, dass dieser Mensch seine persönliche Würde bewahren konnte.»
Trost nach einer schwierigen Diagnose
«Unsere Freiwilligen sind naturgemäss nahe bei den Menschen, die sie fahren, besuchen oder denen sie sonst wie ihre Zeit schenken», sagt Barbara Schwaninger. Dass sich mit der Zeit eine gewisse Nähe und ein Vertrauensverhältnis entwickle, mache den freiwilligen Einsatz für beide Seiten umso wertvoller.
In diesem Zusammenhang erinnert sie sich an eine Begebenheit aus dem Besuchsdienst: «Ein Kunde, der regelmässig von einem Freiwilligen besucht worden war, wurde unerwartet mit einer schwierigen Diagnose und dem nahen Lebensende konfrontiert. Als er dem SRK-Freiwilligen von seinen Sorgen erzählte, reagierte dieser ohne Zögern und ermöglichte ihm noch einen für ihn sehr bedeutsamen Besuch im Schwarzwald – einem Ort, der mit vielen Erinnerungen an seine verstorbene Frau verbunden war. So konnte ihm einer seiner letzten Wünsche erfüllt werden.»
«In der Schweiz leistet rund die Hälfte der Bevölkerung Freiwilligenarbeit. Sie werden motiviert durch die Wertschätzung und den Respekt, die man ihnen und ihrer Tätigkeit entgegenbringt.» Barbara Schwaninger Leiterin Rotkreuz-Fahrdienst und Freiwilligenmanagement SRK Kanton Schaffhausen
Text: Rolf Fehlmann
Bild: SRK Ruben Ung